Aha. Es geht also in Wahrheit gar nicht - wie wir immer geglaubt hatten - um die Gesundheitsschädigung, die sich unbelehrbare Kettenraucher selbst beibringen. („Zu was brauche ich eigentlich ein zweites Bein?“). Auch wenn der Gesundheitsminister fett und schwarz auf jeder Packung warnt, dass Rauchen lediglich Gevatter Hein Beine, sonst aber spornstreichs krank und impotent macht - es geht gar nicht um den Schutz der Raucher. Es geht um den Schutz derjenigen, die selber niemals zur Zigarette greifen würden. Die hießen früher „Nichtraucher“. Jetzt heißen sie „passive Raucher“, und die sind offenbar durch das Rauchen der „aktiven Raucher“ genau so gefährdet, wie diese selbst.
Schon lange weiß man ja, dass auch Nichtraucher an Lungenkrebs sterben können. Zwar ist ihre Zahl statistisch signifikant niedriger als die der Raucher, aber egal - auch wer in seinem ganzen Leben noch nie geraucht hat, der kann an Lungenkrebs sterben.
Irgendwie ja total ungerecht, ist nun aber mal so. Jetzt aber weiß man endlich warum das so ist: Weil passive Raucher pausenlos den Rauch der aktiven Raucher einatmen müssen.
Logische Folgerung unserer Volksgesundheitswächter: Wenn man den aktiven Rauchern das Rauchen verbietet, dann schützt man damit die Nichtraucher. Kein Rauch, kein Lungenkrebs. So einfach ist das.
Und weil man die höchste Rauchdichte an den Theken verräucherter, verschwiemelter Kneipen ausgemacht hat, darum muss gerade in derartigen Etablissements das Rauchen ganz dringend verboten werden.
Man könnte nun zwar, als ketzerisch denkender Mensch auch auf die abwegige Idee kommen, dass ein militanter Nichtraucher doch seine Freizeit nicht unbedingt in derartigen Räucherhöhlen verbringen müsse, sondern doch lieber einen gesunden Abendspaziergang durch die würzige Luft des Sauerstoff atmenden Stadtparks unternehmen könne, aber - wie gesagt - das wäre ketzerisch und politisch auch absolut inkorrekt, weil es ja die persönliche Freiheit gerade des unschuldigen Nichtrauchers in geradezu diskriminierender Weise einschränkte.
Nun wird ja - auch das weiß man inzwischen - Lungenkrebs nicht nur durch den Rauch der Marlboro Light verursacht. Feinstaub aus den Auspuffen der Dieselmotoren, fliegende Asbest-Partikel, qualmende Hochöfen, Feuer speiende Vulkane auf den Fidji-Inseln, brennende Waldgebiete in Südspanien - beinahe jeden Tag entdecken unsere emsigen- weil staatlich hoch subventionierten Wissenschaftler neue Quellen aktiver und passiver Gesundheitsschädigung.
Auch die gilt es abzustellen, weil sonst ja immer weniger Menschen die Chance haben, gesund alt zu werden. Und während der unbelehrbare Camel-Konsument eines Tages - trotz all der gewaltigen Anstrengungen der Gesundheitsreform - schon mit 70, 80 oder 90 Jahren in die selbst verschuldete Grube fährt, darf der staatlich geschützte Nichtraucher seinen 120. Geburtstag im Kreise seiner bedingt begeisterten Erben bei immer noch bester Gesundheit auf der heimeligen Intensivstation des Städtischen Krankenhauses von Bochum-Langendreer feiern. Und darum muss man das Rauchen verbieten.
Auf Gomera wurde soeben der „Internationale Cancer-Club“ gegründet. „Politisch verfolgte Raucher“ wehren sich. Näheres unter www.cancerclub.info